Material & Technik
Dachneigung und Entwässerung richtig planen
Eine Terrassenüberdachung ist kein Flachdach im bauphysikalischen Sinn, aber sie hat dasselbe Grundproblem: Wasser, das nicht abläuft, bleibt liegen. Stehendes Wasser führt zu Schmutzrändern, Algenbildung und im Winter zu zusätzlicher Last durch gefrierendes Wasser.
Wie viel Gefälle ist nötig?
Als Orientierung gelten in der Fachliteratur folgende Werte:
- ab etwa 5 Grad bei glatten Eindeckungen wie Glas oder Polycarbonat – hier läuft Wasser gut ab
- ab etwa 10 Grad bei raueren oder profilierten Eindeckungen, bei denen Wasser langsamer abfließt
- 5 bis 15 Grad als üblicher Bereich in der Praxis
Zum Umrechnen hilft eine einfache Faustformel: 1 Grad Neigung entspricht etwa 1,7 cm Höhenunterschied pro Meter Dachtiefe.
Ein Beispiel: Bei 4 Metern Dachtiefe und 5 Grad Neigung ergibt sich ein Höhenunterschied von rund 34 cm zwischen Wandanschluss und Vorderkante. Das ist der Wert, der bei der Planung oft überrascht – und der direkt beeinflusst, wie hoch die Überdachung an der Wand angeschlossen werden muss.
Die Durchgangshöhe nicht vergessen
An der Vorderkante sollte genügend lichte Höhe bleiben. Wer hier zu knapp plant, bekommt eine Überdachung, unter der man sich duckt – besonders ärgerlich, weil sich das nachträglich kaum ändern lässt.
Denken Sie auch an das, was unter dem Dach stehen soll: ein hoher Sonnenschirm, ein Hochbeet, eine Tür, die nach außen aufschlägt. Und daran, dass eine spätere Unterdachmarkise zusätzliche Höhe beansprucht.
Das Entwässerungssystem
Das Wasser der gesamten Dachfläche sammelt sich an der Vorderkante. Bei einer Fläche von 6 × 4 Metern sind das 24 Quadratmeter – bei einem kräftigen Regenschauer kommen dort erhebliche Mengen zusammen.
Die Rinne nimmt das Wasser an der Traufkante auf. Bei vielen Aluminiumsystemen ist sie in den vorderen Träger integriert und von außen kaum sichtbar. Damit das Wasser zum Ablauf läuft, braucht auch die Rinne selbst ein leichtes Längsgefälle – als Richtwert werden mindestens 3 Millimeter pro laufendem Meter genannt. Bei 6 Metern Rinnenlänge sind das rund 18 Millimeter zwischen höchstem Punkt und Ablauf.
Das Fallrohr führt das Wasser nach unten. Bei modernen Systemen verläuft es häufig innerhalb eines Pfostens – optisch die sauberste Lösung, weil kein Rohr an der Konstruktion entlangläuft. Wichtig ist eine Revisionsmöglichkeit: Auch ein innenliegendes Rohr kann verstopfen, etwa durch Laub.
Wohin darf das Wasser?
Diese Frage wird oft zu spät gestellt. Drei Wege sind üblich:
Versickerung auf dem Grundstück. Über eine Sickermulde, ein Kiesbett oder einen Sickerschacht. Voraussetzung ist ein ausreichend durchlässiger Boden und genügend Abstand zu Gebäuden – Wasser, das direkt an der Hauswand versickert, kann die Kellerabdichtung belasten.
Anschluss an die vorhandene Grundstücksentwässerung. Technisch oft naheliegend, aber nicht immer zulässig und nicht immer kapazitätsmäßig möglich.
Regentonne oder Zisterne. Sinnvoll für die Gartenbewässerung, braucht aber einen Überlauf für den Fall, dass der Behälter voll ist.
Winter, Laub und Wartung
Zwei Situationen verdienen Aufmerksamkeit:
Laub. Steht die Überdachung unter Bäumen, sammelt sich Laub in der Rinne. Eine verstopfte Rinne läuft über – das Wasser sucht sich dann seinen Weg, oft genau an der Wand. Ein bis zwei Kontrollen im Jahr, im Herbst und im Frühjahr, genügen meist.
Frost. Gefriert Wasser in Rinne oder Fallrohr, staut es sich zurück. Deshalb sollte die Entwässerung vor dem Winter frei sein. Mehr zur laufenden Pflege im Ratgeber Pflege und Reinigung.
Auf einen Blick
- Gefälle: als Richtwert ab etwa 5 Grad bei Glas und Polycarbonat
- Umrechnung: 1 Grad ≈ 1,7 cm pro Meter Dachtiefe
- Rinne: leichtes Längsgefälle zum Ablauf, Richtwert ab 3 mm pro Meter
- Ablauf: Versickerung, Kanalanschluss oder Zisterne – vorher kommunal klären
- Wartung: Rinne und Fallrohr im Herbst und Frühjahr kontrollieren