Kosten & Planung
Terrassenüberdachungen richtig vergleichen
Mehrere Angebote einzuholen ist richtig. Schwierig wird es beim Vergleichen: Zwei Angebote über „6 × 4 Meter Terrassenüberdachung mit Glasdach“ können denselben Titel tragen und trotzdem völlig verschiedene Leistungen beschreiben – bei mehreren tausend Euro Unterschied.
Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, worauf Sie schauen müssen, damit Sie tatsächlich Vergleichbares vergleichen.
Der häufigste Fehler: nur auf die Endsumme schauen
Die Endsumme sagt wenig, solange nicht klar ist, was sie enthält. Das günstigste Angebot ist regelmäßig das mit dem geringsten Leistungsumfang – und die fehlenden Positionen entstehen trotzdem, nur später und oft teurer.
Prüfen Sie deshalb zuerst: Beschreiben beide Angebote überhaupt dieselbe Leistung?
Die Prüfliste
Konstruktion und Material
- Profilstärke: Wie sind die tragenden Profile dimensioniert? Wandstärken sieht man dem fertigen Produkt nicht an, sie machen im Preis aber viel aus.
- Legierung und Beschichtung: Welches Beschichtungssystem, welcher Farbton, welche Qualitätsstufe?
- Pfostenteilung: Wie viele Pfosten, in welchem Abstand? Weniger Pfosten sehen besser aus, verlangen aber stärkere Profile.
Statik – der teuerste unsichtbare Unterschied
- Wird die Konstruktion projektbezogen auf Ihren Standort ausgelegt oder mit einer Pauschalstatik kalkuliert?
- Für welche Schneelastzone und welche Geländehöhe?
- Für welche Windzone – in Küstennähe besonders relevant?
- Gibt es einen Standsicherheitsnachweis?
Hintergründe dazu im Ratgeber Statik.
Eindeckung
- Glas oder Polycarbonat – und in welcher Stärke?
- Bei Glas: normales VSG oder Wärmeschutzglas?
- Welche Dichtungen, und sind sie UV-beständig?
Untergrund und Fundament – hier klaffen die Angebote am weitesten auseinander
- Sind Fundamente enthalten oder ausdrücklich ausgeschlossen?
- Wer trägt den Erdaushub ab?
- Wer stellt den Terrassenbelag an den geöffneten Stellen wieder her?
- Wurde der Untergrund überhaupt vor Ort geprüft?
Ein Angebot ohne Ortstermin enthält an dieser Stelle zwangsläufig Annahmen. Mehr dazu unter Fundament und Untergrund.
Wandanschluss
- Ist der Wandaufbau bekannt – gedämmt, verklinkert, massiv?
- Bei gedämmter Fassade: Ist eine Abstandsmontage vorgesehen und eingepreist?
- Ist ein Wandanschlussblech enthalten?
Entwässerung
- Wie wird das Wasser abgeführt – innenliegend im Pfosten oder außen?
- Ist der Anschluss an Versickerung oder Kanal enthalten?
Montage und Nebenkosten
- Montage enthalten, oder wird sie separat berechnet?
- Anfahrt und mögliche Zuschläge?
- Wie viele Montagetage sind veranschlagt?
- Wird Verpackungsmaterial mitgenommen?
Garantie und Service
- Wie viele Jahre, und worauf genau?
- Sind Ersatzteile in einigen Jahren noch lieferbar?
- Gibt es einen festen Ansprechpartner?
Genehmigung
- Unterstützt der Anbieter bei Unterlagen für die Bauaufsicht, wenn nötig?
Fünf Fragen, die viel verraten
Wenn Sie wenig Zeit haben, stellen Sie diese fünf Fragen. Die Antworten sagen mehr über einen Anbieter aus als jeder Katalog:
- „Für welche Schneelastzone und Geländehöhe ist die Konstruktion ausgelegt?“
- „Sind die Fundamente im Preis enthalten – einschließlich Aushub und Wiederherstellung des Belags?“
- „Wie befestigen Sie an meiner Fassade, und haben Sie den Aufbau geprüft?“
- „Was genau deckt die Garantie ab, und wie lange?“
- „Kann ich in fünf Jahren noch Ersatzteile bekommen?“
Ein Anbieter, der diese Fragen klar beantwortet, hat sein Handwerk im Griff. Ausweichende Antworten sind ein Signal.
Wenn ein Angebot deutlich günstiger ist
Das muss nichts Schlechtes bedeuten – ein Direktvertrieb ohne teure Ausstellungsräume kann tatsächlich günstiger anbieten. Fragen Sie aber konkret nach, woher der Unterschied kommt. Eine plausible Antwort gibt es immer; wenn keine kommt, fehlt vermutlich Leistung.
Prüfen Sie in dem Fall besonders: Statikauslegung, Profilstärken, Fundamentleistung und Garantiedauer. Erfahrungsgemäß liegt dort der Unterschied. Warum Preise überhaupt so streuen, erklärt der Ratgeber Warum die Preise so unterschiedlich sind.